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Verhaltensforschung Herrlich böse

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1 Verhaltensforschung Herrlich böse on Wed Sep 01, 2010 5:06 am

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,714825,00.html

Verhaltensforschung

Herrlich böse


Skandal an der Elite-Uni Harvard: In mindestens acht Fällen soll der Starwissenschaftler und Bestseller-Autor Marc Hauser Daten aus Tierstudien zurückgehalten und falsch analysiert haben. Welche seiner spektakulären Erkenntnisse zur Evolution des Menschen stimmen noch?

Das Institut für Psychologie der Harvard University liegt in einem Haus mit 15 Stockwerken, und nicht wenige Menschen glauben, dass die Gedanken an diesem Ort besonders hoch fliegen.

Glück, Liebe, Intelligenz, Moral, Sprache, Selbstmord - nichts ist den Gelehrten in diesem Turm zu bedeutungsschwer. Ihre Thesen, was den Mensch zum Menschen macht, münden für gewöhnlich in Durchbrüchen und Bestsellern. Die Professoren des Instituts gehören zu den einflussreichsten der Welt.
Doch in diesen Tagen ist es in dem Gebäude im amerikanischen Cambridge merkwürdig still. Auch Jerome Kagan, der mittlerweile 81 Jahre alte Pionier der Entwicklungspsychologie, sitzt in sich gekehrt in seinem Büro. "Keiner redet darüber", sagt er. "Wer will schon über jemanden aus der eigenen Familie lästern?"

Gemeint ist Marc Hauser, 50 Jahre alt, ein Star seiner Zunft und als Buchautor von den Medien gefeiert - bis jetzt plötzlich hässliche Vorwürfe gegen den Vor-zeigeakademiker an die Öffentlichkeit gedrungen sind. "Wissenschaftliches Fehlverhalten" wirft ihm die eigene Fakultätsleitung vor. Staatliche Behörden ermitteln.

Im Turm der Psychologen herrscht Ratlosigkeit. "An dieser Sache wird unsere Zunft noch Jahre zu knacken haben", fürchtet die Chefin des Instituts Susan Carey.

Mit dieser Einschätzung untertreibt die Direktorin noch. Unter Verhaltens- und Kognitionsforschern auf der ganzen Welt herrscht blankes Entsetzen. "Es ist eine Katastrophe, wir wissen nicht, was von den vielen Publikationen Hausers erfunden ist und was nicht", klagt etwa der Primatenforscher Klaus Zuberbühler von der University of St Andrews in Schottland.

Wissenschaftliches Fehlverhalten in acht Fällen

Mittlerweile hat die Harvard University Hauser in acht Punkten des Fehlverhaltens bezichtigt, Publikationen wurden zurückgezogen oder ergänzt, und der Beschuldigte gestand Ende vorletzter Woche in einer E-Mail reumütig: "Ich bestätige, dass ich einige signifikante Fehler begangen habe." Hauser sei in ein unbezahltes Urlaubsjahr geschickt worden, erzählt Kollege Kagan: "Das war Teil der Bestrafung."

Dabei galt der Geächtete bis vor kurzem noch als Universalgenie. "Marc hat sich ein Top-Thema nach dem anderen gegriffen", sagt die Affenforscherin Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Sei es die Evolution der Sprache, die Gefühle der Tiere oder die Entstehung der Moral: Hauser stieß bei all diesen großen Rätseln auf spannende Erkenntnisse und verarbeitete diese in aufsehenerregenden Büchern.

Von Studenten wurde der Gelehrte mit Halbglatze und markantem Bart zu einem der beliebtesten Professoren auf dem Campus gewählt. Und doch brachten seine eigenen Mitarbeiter schließlich den Skandal ins Rollen. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem Fachblatt "The Chronicle of Higher Education" zugespielt wurden. Demnach haben sich Team-Mitglieder im Jahr 2007 besorgt um den Ruf ihres Instituts dem Ombudsmann der Harvard University offenbart.

Es ging um einen Versuch, mit dem die Forscher herausfinden wollten, ob sich schon unter den entfernten Verwandten des Menschen so etwas wie ein Sprachsinn regt. Sie hatten dazu Rhesusaffen zunächst eine regelmäßige Abfolge von Tönen vorgespielt. Dann veränderten sie die Tonfolge. Würden die Tiere den Unterschied bemerken und in diesem Moment ihre Augen auf den Lautsprecher richten? Wenn sie dies tun, so gilt das als Hinweis darauf, dass die Affen eine wesentliche Voraussetzung zur Entwicklung von Sprache besitzen.

Computer, Festplatten und Videos beschlagnahmt

Die Auswertung solcher Experimente indes ist heikel. Denn wie zuverlässig lässt sich schon Richtung und Dauer eines Äffchenblicks einschätzen? Ein junger Laborassistent jedenfalls, der den Auftrag hatte, die Videobänder auszuwerten, konnte nichts Auffälliges erkennen. Hauser jedoch kam bei der Auswertung derselben Bänder zu einem ganz anderen Ergebnis: Da starrten die Affen, genau wie angenommen, bei den veränderten Tonfolgen auf den Lautsprecher.

"Ich fühle mich nicht wohl dabei, Daten mit einer solchen Verzerrung zu analysieren und zu publizieren", schrieb einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter in einer E-Mail an Hauser. Der blaffte genervt zurück: "Ich bin jetzt allmählich angepisst. Da sind keine Unstimmigkeiten."

Eine Bestätigung von Hauser, dass dieser E-Mail-Verkehr so stattgefunden hat, gibt es nicht. Doch sollte er wahr sein, dann verbirgt sich dahinter einer der fulminantesten Fehler, die ein Verhaltensforscher begehen kann. "Er darf niemals seine Autorität missbrauchen und die Auswerter in ihrer Analyse beeinflussen", urteilt Angela Friederici, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.

Seine Mitarbeiter jedenfalls haben sich dem Druck nicht gebeugt und sich ihrer Universität offenbart. "Den jungen Leuten gebührt die höchste Anerkennung für ihren Mut", lobt der berühmte Affenforscher Frans de Waal.

Die Elite-Uni reagierte zunächst prompt auf den Vorwurf der Nachwuchsforscher: Ihre Ermittler verschafften sich Zugang zum Büro des Forschers und beschlagnahmten Computer, Festplatten und Videos. Dann allerdings herrschte Stille - drei Jahre lang.

Gesamte Publikationen von Hauser unter Generalverdacht

Bald gingen auf den Kongressen die ersten Gerüchte über Ermittlungen gegen den Harvard-Star um. "Seit drei Jahren befindet sich Hauser wie in Zeitlupe in freiem Fall", sagt Michael Tomasello, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie - nur dass niemand genau wusste, warum eigentlich.
Inzwischen steht alles, was Hauser und die Forscher aus seinem Labor publiziert haben, unter Generalverdacht. "Für die Fachgemeinde ist das fürchterlich", sagt Primatologin Fischer und fragt sich: "Wie soll ich meinen Studenten jetzt erklären, dass sie rechtschaffen bleiben sollen?"

Fischer sorgt sich darüber, dass Harvard nur häppchenweise Informationen herausgibt und ansonsten bemüht scheint, das wahre Ausmaß der Affäre Hauser zu verschleiern. Im August zog Hauser geräuschlos eine vielbeachtete Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 in der Zeitschrift "Cognition" zurück. Begründung: Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die Daten die Ergebnisse der Studie nicht unterstützten.

Außerdem erfolgte die "Ergänzung" einer Publikation aus den "Proceedings of the Royal Society B" von 2007. Hier ging es um Studien darüber, ob Affen menschliche Gesten verstehen. Diesmal fehlten Daten, doch konnte Hauser sich noch einmal retten: Er wiederholte die Experimente und behauptet nun, die Ergebnisse der ursprünglichen Versuche reproduziert zu haben.

Nach gleichem Muster reagierte er auf die Vorwürfe gegen eine dritte Publikation, diesmal im Fachblatt "Science", die Hausers neuestes Lieblingsthema berührt: den Ursprung der Moral. Untersucht hatte er, welche Affenarten die Absichten des Gegenübers erkennen können. Für Empathie und soziales Verhalten ist dies eine wichtige Voraussetzung. Doch auch hier fehlen Protokolle und Daten.

Bei "Science" erklärt man, Hauser und der Hauptautor Justin Wood von der University of Southern California in Los Angeles hätten diese inzwischen nachgereicht. "Sie werden derzeit von Gutachtern geprüft", sagt Ginger Pinholster, Sprecherin für "Science".

Handelt es sich also nur um Schlamperei? Oder sind die Ermittler einem mutwilligen Fälscher auf der Spur?

Hochmut und Spott bei Nachfrage

Manch ein Kollege mag nicht mehr glauben an die Legende vom genialen Forscher, dem in seiner Arbeitswut ein paar lässliche Schnitzer unterlaufen sind. Gordon Gallup von der State University of New York in Albany etwa ist Erfinder eines der wichtigsten Experimente der Bewusstseinsforschung: Er malte Affen und Kleinkindern ein Farbzeichen ins Gesicht. Dann testete er, ob sie beim Betrachten eines Spiegels den Fleck wegwischen - und so zeigen, dass sie sich selbst erkennen.

Kleinkinder bestehen diesen Test ab einem Alter von rund 18 Monaten. Auch Schimpansen und Orang-Utans erkennen sich selbst im Spiegel. Doch sind auch andere Primaten dazu fähig?

Im Jahr 1995 verkündete Marc Hauser, auch Liszt-Affen besäßen diese geistige Fähigkeit. 24 dieser Neuweltaffen leben in den Käfigen von Hausers Labor. Haben auch diese Tiere, deren Entwicklungslinie sich schon vor 40 Millionen Jahren von derjenigen des Menschen trennte, ein primitives Selbstbewusstsein?

"Mir kamen diese Ergebnisse gleich seltsam vor", erinnert sich Gallup heute. Sofort stellte er Hauser zur Rede. "Zunächst erntete ich nur Hochmut und Spott", sagt Gallup. Doch dann ließ sich Hauser erweichen, die Videoaufnahmen seines Versuchs zu schicken. "Als ich mir diese ansah, war ich schockiert", sagt Gallup: Von der angeblichen Reaktion der Liszt-Affen war rein gar nichts zu erkennen.

Hauser erinnerte sich nun plötzlich an weitere Aufnahmen, berichtet Gallup. "Aber als ich die sehen wollte, erklärte mir Marc, die Videobänder seien geklaut worden." Wer, fragt sich Gallup, klaut Videobänder mit Affenfilmen?

Hausers Arbeit steht weiter unwidersprochen in den Bibliotheken

Der Beschuldigte zog sich am Ende auf elegante Weise aus der Affäre. Hauser wiederholte seine Versuche, und diesmal schienen die Liszt-Affen ihre Selbst-Erkenntnis verloren zu haben. Hauser publizierte seinen Befund, widerrief die alte Arbeit aber nicht. "Die steht weiter unwidersprochen in den Bibliotheken", ereifert sich Gallup. "Das ist unerträglich."

Im zähen Ringen um die Wahrheit gärte in dem Psychologen der Verdacht, dass sein Harvard-Kollege gefälscht hat. Und auch manch einer der Kollegen sähe es wohl gern, wenn es sich in dieser Affäre um die Verfehlungen eines Einzelnen handelte. Andernfalls nämlich stünde den Verhaltensforschern eine peinliche Diskussion über ihre Methodik bevor. Denn leicht kann sich irren, wer das Verhalten von Tieren zu deuten versucht. Gerade bei Affen ist die Gefahr groß, irrtümlich Menschliches zu erkennen. Zudem ist ein Forscher versucht, nur das zu sehen, was in sein Weltbild passt, und zu verleugnen, was der eigenen Arbeitshypothese widerspricht.

Die Probleme fangen schon bei den Tieren an, die sich eben nicht immer so verhalten, wie die Forscher es wollen, und das Experiment verweigern. "Manchmal erhält man ein spektakuläres Ergebnis, das in Wahrheit nur ein Zufallsbefund ist", erklärt Primatologin Fischer.

Schon deshalb fordert sie, neue Erkenntnisse der Verhaltensforschung erst als gegeben anzusehen, wenn sie von einer zweiten Forschergruppe bestätigt werden. Im Wissenschaftsbetrieb sei das leider nicht immer der Fall. Das hat sie selbst erfahren.

Wissenschaftliche Standards sind leicht umzugehen

Verzweifelt hat sie einst versucht, eines von Hausers Experimenten nachzuvollziehen. Und als sie der Fachwelt von ihrem Scheitern berichten wollte, bemerkte sie, dass dies kaum möglich war: "Die Herausgeber sagten mir: ,Hauser hat das doch schon nachgewiesen. Wenn es bei Ihnen nicht klappt, haben Sie was falsch gemacht'", so Fischer.

Zwar sind sich die Forscher der Tücken ihres Fachs durchaus bewusst und versuchen ihnen durch strenge Standards zu begegnen: Eigentlich sollten zum Beispiel Videobänder stets von mindestens zwei Personen unabhängig ausgewertet werden. Diese dürfen das Ziel des Versuchs gar nicht kennen, weil sie sonst befangen wären. Unterscheiden sich die Ergebnisse beider Auswerter um mehr als 20 Prozent, so die Regel, ist die Versuchssequenz zu verwerfen.

Der Streit um Hausers Experimente freilich lässt erahnen, wie leicht es zu Verstößen gegen die wissenschaftlichen Standards kommen kann.

Der Beschuldigte lässt sich derweil verleugnen. Seine privaten Telefonnummern sind abgemeldet, eine E-Mail des SPIEGEL kam unbeantwortet mit dem Hinweis zurück, er sei "im Urlaub".

Die einsamen Stunden dürfte der eifrige Schreiber dazu nutzen, sein jüngstes Manuskript fertigzustellen. Man darf gespannt sein, ob das bereits angekündigte Sachbuch autobiografische Züge trägt, lautet doch der Arbeitstitel: "Herrlich böse - warum wir von Natur aus schlecht sind".

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