Evidenzen fuer den Gott der Bibel

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Nicht mit überragenden Worten“

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1 Nicht mit überragenden Worten“ on Mon Aug 09, 2010 3:46 pm

Nicht mit überragenden Worten“

http://www.stanet.ch/sabbatschule/bibelauslegung/bibelausl%20007.htm

Ist Paulus bildungsfeindlich?

Mit folgenden Worten beschreibt Paulus seine Prinzipien der Verkündigung des Evangeliums in Korinth (1 Kor 2,1-5): „Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ „Überragende Worte oder Weisheit“ lehnt Paulus ab (vgl. 1,17). Gemeint ist die rhetorische Kunst. Rhetorik war das zu seiner Zeit wichtigste Fach höherer Bildung, bei dem man lernte, wie man Menschen mit Worten zu einer Überzeugung führen kann. Es klingt so, als hielte Paulus eine gute Bildung zur Verkündigung des Evangeliums für hinderlich. War Paulus bildungsfeindlich?

Paulus, ein gebildeter Mann vor Juden und Heiden

Lukas zeichnet ein anderes Bild. Er stellt Paulus als einen gebildeten Mann dar. Seine Heimat ist Tarsus in Zilizien, eine griechisch geprägte Großstadt, in der es berühmte Rhetorenschulen gab. Schon von Strabon (ca. 63 v. Chr. bis ca. 25 n. Chr.) wurde Tarsus für ihren „großen Eifer für die Philosophie und alle Zweige der allgemeinen Bildung“ gerühmt (Geographie 14.5.13).
Paulus als Sohn eines recht vermögenden jüdischen Bürgers der Stadt hat wahrscheinlich eine gründliche Ausbildung in griechischer Sprache erhalten. Als junger Mann ist er dann nach Jerusalem gegangen, um bei dem berühmten jüdischen Gelehrten Gamaliel die heiligen Schriften Israels zu studieren (Apg 22,3; Gal 1,14).
In der Apostelgeschichte erzählt Lukas, dass Paulus es mit Juden und Heiden aufnehmen kann (vgl. Apg 9,21-22). Als Beispiel der Synagogen- predigt des Paulus stellt Lukas die Rede in Antiochien in Pisidien vor (Apg 13,14-41). Der Erfolg ist überwältigend, wenn auch zwiespältig. Viele der Zuhörer wollen am nächsten Sabbat mehr hören. Eine Gruppe kommt zum Glauben. Aber es formiert sich auch Widerstand (Apg 13,42-45).
Nicht weniger eindrucksvoll ist die Verkündigung des Paulus vor den Heiden. Lukas wählt als Beispiel die Rede des Paulus vor den Philo- sophen auf dem Areopag in Athen (Apg 17), die durchaus den Regeln antiker Rhetorik entspricht. Nach einer für die Hörer positiven Einleitung (V. 22-23a) und der Vorstellung der These (V. 23b) spricht Paulus in logischen Schritten über den Schöpfergott und sein Wirken zum Heil der Menschen durch Jesus. Er begründet seine Gedanken (z.B. V. 25b, 29, 31) und unterstreicht sie durch ein Zitat aus griechischer Dichtung (V. 28). Wieder berichtet Lukas über die Wirkung der Rede (V. 32-34). Dabei finden sich die gleichen Reaktionen wie in Antiochien: Einige lehnen die Botschaft ab und spotten, andere wollen mehr hören, eine Gruppe aber kommt zum Glauben. Dass unter ihnen angesehene Athener Bürger sind, ist für Lukas ein Zeichen für den beachtlichen Erfolg der Verkündigung des Paulus. (Zu Unrecht wird die Wirksamkeit des Paulus in Athen von manchen als Misserfolg gewertet.)

Polemik gegen eitle Redekünstler

Wie passt dieses Bild des Lukas zusammen mit dem, was Paulus selbst in 1 Kor 2,1-5 über die Art seiner Verkündigung schreibt? Zum Verständnis hilft, wenn wir beachten, welche Situation Paulus im Blick hat: „Als ich zu euch kam ...“ (V. 1). Er erinnert die Korinther an den Beginn seiner Wirksamkeit in ihrer Stadt. Was war üblich, wenn ein Sophist – so nannte man diese Redner – in eine Stadt kam? Zunächst sandte er Einladungen aus und kündigte sein Auftreten an. Dann erschien er, aufwändig gekleidet und geschmückt, und hielt eine Lobrede auf die Stadt und ihre Bewohner, um sie für sich einzunehmen. In einer zweiten Lobrede stellte er sich selbst und seine Verdienste vor. Nach diesen Vorreden ließ er sich aus dem Publikum ein Thema geben, um darüber am nächsten Tag oder – noch besser – sofort zu referieren. Dabei kam es auf geistvolle Wendungen, auf Witz und Sprachkunst an. Alle Mittel wurden eingesetzt, auch die körperliche Erscheinung und die Stimmgewalt, um die Zuhörer zu Beifall und begeisterten Zwischenrufen zu bewegen, ihre Gefühle zu erregen und ihnen stundenlange Unterhaltung zu bieten. Natürlich sollten zugleich Konkurrenten ausgestochen werden, was sogar zu Prügeleien unter den Anhängern führen konnte. Nach einem erfolgreichen Auftritt war der Redner in den nächsten Tagen Stadtgespräch, konnte hohe Eintrittsgelder verlangen und gewann die Söhne der Oberschicht als Schüler – gegen beträchtliche Gebühren. Vielleicht wurde ihm auch ein ehrenvolles Amt in der Stadt angetragen oder eine Statue errichtet.
Was Paulus über sein Kommen in eine Stadt schreibt, ist eine deutliche Kritik am Gehabe der Sophisten. Das gilt nicht nur für sein Auftreten in Korinth, ist also nicht eine Folge seines Wirkens in Athen. Schon in Thessalonich folgte Paulus den gleichen Prinzipien. Im ersten Brief an diese Gemeinde schreibt er in einem ganz ähnlichen Rückblick: „Unsere Predigt kam nicht aus trügerischem oder unlauterem Sinn, noch geschah sie mit List“ (1 Thess 2,3). Paulus hatte keine selbstsüchtigen Nebeninteressen, wenn er zu den Menschen sprach. Er verwendete keine Tricks, keine Wortspielereien oder gehobenen Sprachstil, um die Hörer zu gewinnen. Es ging ihm nicht darum, „den Menschen zu gefallen“ (V. 4). „Denn wir sind nie mit Schmeichelworten umgegangen, wie ihr wisst, noch mit versteckter Habsucht – Gott ist Zeuge; wir haben auch nicht Ehre gesucht bei den Leuten, weder bei euch noch bei andern“ (V. 5-6). Wie im ersten Korintherbrief findet sich auch hier die gleiche Abgrenzung gegen die üblichen Redner mit ihrer Wortkunst, die die Zuhörer unterhalten und ihrer eigenen Eitelkeit und Geldsucht dienen. Auch seine äußere Gestalt konnte und wollte Paulus nicht dazu einsetzen, die Hörer auf seine Seite zu ziehen (1 Kor 2,3, vgl. Gal 4,13-15). Er gab auch nicht vor, über jedes von den Zuhörern gegebene Thema reden zu können, sondern war entschlossen – in Korinth genauso wie in Thessalonich und überall –, nur Christus zu verkündigen (1 Kor 2,2).



Glaubwürdigkeit durch Abwertung der eigenen Rhetorik

Mit solcher Kritik steht Paulus nicht allein. Seit ihrem großen Erfolg im alten Athen wurde die Rhetorik von den Philosophen beargwöhnt, durch bloße Redekunst die Menschen zu verführen. Häufig findet sich bei ihnen Polemik gegen die Redekünstler, die Scharlatane sind, durch ihre Worte das Schlechte gut und das Gute schlecht erscheinen lassen, die Leute unterhalten und nur auf eigene Ehre und Geld aus sind. Zum Beispiel schreibt Plutarch (ca. 46-ca.125 n. Chr.): „Wir sollten unsere Stimme nicht überanstrengen, wie es so viele Redner und Philosophielehrer tun, einige getrieben durch Ruhm und Ehrgeiz, andere durch finanzielle Interessen und persönliche Streitereien“ (Moralia 131a).
Um sich von den ehrgeizigen Redekünstlern abzugrenzen und Glaubwürdigkeit zu gewinnen, haben viele ernsthafte Redner in der Einleitung ihres Vortrags die eigene rhetorische Kenntnis und die Nutzung rhetorischer Mittel verleugnet oder heruntergespielt. Man nennt dieses immer wiederkehrende Element in den antiken Reden den „Bescheidenheitstopos“ (Ueding). Ein Beispiel ist die Eröffnung der Verteidigungsrede des Sokrates bei Platon (17b-18a). Darin kontrastiert Sokrates seine eigenen bescheidenen rhetorischen Fähigkeiten mit der Eloquenz seiner Ankläger. Sie hatten vor der Redegewandtheit des Sokrates gewarnt, und Sokrates hat vor, sie zu widerlegen, „wenn ich mich nun auch im geringsten nicht gewaltig zeige im Reden.“ Er will die Wahrheit sagen und seine Gedanken so ausdrücken, wie sie ihm im Moment in den Sinn kommen, er wird nicht mit Worten spielen und mit ausgeschmückten Formulierungen glänzen wie seine Gegner. „... keineswegs Reden aus zierlich erlesenen Worten gefällig zusammengeschmückt und aufgeputzt ..., sondern ganz schlicht werdet ihr mich reden hören in ungewählten Worten.“
Dio Chrysostomos (ca. 40-112 n. Chr.), einer der berühmtesten Redner zur Zeit des Paulus, beginnt seine Olympische Rede so (Or. 12.5): „Viel Ergötzliches gibt es hier zu sehen und zu hören, gewaltige Redner, Schreiber bezaubernder Verse und Prosa, eine Menge Sophisten, so schillernd wie Pfaue, stolz auf ihren Ruhm und ihre Schüler wie jene auf ihr Gefieder, und doch kommt ihr zu mir und wollt mich hören, der ich doch nichts weiß und auch nicht vorgebe, etwas zu wissen.“ Wie Paulus in 2 Kor 11,6 nennt er sich „einen Laien (idiotes), der eben gerne spricht (12.16; vgl. auch 43.6: „Ich nehme von niemand Geld ... Ich bin kein Redner.“).
Wer in einem Vortrag glaubwürdig sein und die verhandelte Sache zur Geltung bringen wollte, vermied den Eindruck, gezielt rhetorische Mittel und Tricks anzuwenden. Quintilian, ein römischer Redelehrer, der Rhetorik und Philosophie zu verbinden suchte, schreibt (Inst. 9.3.102): „Nimmt doch die allzu große Sorge um die Worte den Leidenschaften die Glaubwürdigkeit. Wo sich die Kunst zur Schau stellt, scheint die Wahrheit zu fehlen.“ Er empfiehlt (Inst. 4.1.8-9): „... so liegt auch darin eine gewisse stillschweigende Empfehlung, wenn wir uns schwach zeigen, unvorbereitet und nicht gewachsen dem begabten Redner der Gegenseite ... Denn es gibt eine natürliche Vorliebe für die, die sich abmühen [müssen] ...“ Schon Aristoteles rät (Rhetorik 3.2.4), man sollte „unauffällig ans Werk gehen und keinen gekünstelten, sondern einen natürlichen Eindruck erwecken ...“

Rhetorikkritik als Zeichen der Kompetenz

Dass Philosophen und Lehrer die rhetorische Kunst kritisierten, bedeutet nicht, dass sie sie nicht nutzten. Ganz im Gegenteil: Die oben zitierte Redeeinleitung mit ihrer Verleugnung der Redekunst durch Sokrates ist geradezu ein Meisterstück der Redekunst Platons. Und wenn berühmte Redner wie Dio Chrysostomos ihre eigene Redefähigkeit herabsetzen, dann bleiben sie trotzdem Meister der Rede.
Auch Paulus hat durchaus die Mittel der Rhetorik in seinen Briefen genutzt. Die am Anfang zitierte Abgrenzung des Paulus gegen die Redekünstler in Korinth, ja der ganze Korintherbrief des Paulus zeigt einen Verfasser, der die Regeln der Rhetorik meisterlich zu handhaben versteht. Und der erste Brief an die Thessalonicher, in dem er sich von den Kunst- und Schmeichelrednern distanziert, beginnt – ganz nach den Regeln – mit einem rhetorisch gekonnten Lob der Empfänger (1,6-10).
Wie kann Paulus gegen rhetorische Bildung polemisieren, wenn er sie zugleich nutzt? Worum also geht es in der Kritik an der Redekunst? Platon schreibt, dass die Redekunst eigentlich keine Kunst sei, sondern eine Scheinkunst, weil der Redner bloß mit Worten spielt und den Leuten schmeichelt, aber von der dargestellten Sache nichts versteht (Gorgias 459b-c, 464b-e). Auch hier gilt, dass Platon nicht die Redekunst an sich ablehnt. Cicero (3 v. Chr. bis 43 n. Chr.), selbst ein bedeutender Redner und Redelehrer, bekennt (De Oratore 1.47): „Was mich bei Plato in diesem Buch [Gorgias] sehr beeindruckt hat, war, dass er selbst der vollendete Redner zu sein scheint, wenn er sich über die Redner lustig macht.“
Platon kritisiert an den Redekünstlern also nicht die rhetorische Fähigkeit, sondern stellt ihre Bildung als ein Halbwissen bloß. Sie wissen zwar, was die Zuhörer hören wollen (Schmeichelei) und wovon sie sich beeindrucken lassen (Scheinargumente), aber nicht, was richtig und wertvoll ist. Auch ihre Charakterbildung weist Mängel auf, weil sie gewissenlose Karrierestreber sind. Ein philosophisch gebildeter Redelehrer wie Quintilian hält es deshalb für nötig, dass ein angehender Redner nicht nur Rhetorik studiert, sondern sich umfassend bildet, damit er weiß, wovon er redet (Inst. 1.4.4; 1.10.1-Cool. Und vor allem soll er seine Mannestugenden bilden, weil „nur ein wirklich guter Mann ein [guter] Redner sein kann“ (Inst. 1.Pr.9; vgl. 2.15.30-31).
Paulus grenzt sich im 1 Kor und 1 Thess von den eitlen Rednern seiner Zeit ab. Er wendet sich gegen die beim Publikum in Korinth beliebte Schulrhetorik, die viele schöne Worten machen kann (1 Kor 2,4: „überzeugende Worte der Weisheit“), aber nichts zu sagen hat. Er ist mit der damaligen philosophischen Diskussion über die Redekunst vertraut und stellt sich bewusst auf die Seite der Philosophen und gegen die Sophisten. Zugleich kennt er sich aus in der Rhetorik und versteht sie zu nutzen. Erst diese Kompetenzen ermöglichen es ihm, seinen Zeitgenossen gegenüberzutreten und eine andere, höhere, ja göttliche Weisheit zu verkündigen. 1. Kor 2,1-5 ist nicht bildungsfeindlich – ganz im Gegenteil.

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