Evidenzen fuer den Gott der Bibel

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die Gottesformel

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1 die Gottesformel on Tue Jan 12, 2010 2:37 pm

Die Gottesformel

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P.M. Magazin 12/2006

Religion
Die Gottesformel


Existiert Gott? Die Frage beschäftigt die größten Denker seit Jahrtausenden. Doch alle vermeintlichen Gottesbeweise sind gescheitert. Mit einer 200 Jahre alten mathematischen Formel könnten wir die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes bestimmen! Thomas Vasek hat es ganz subjektiv einmal durchgerechnet.

Existiert Gott? Die Frage beschäftigt die größten Denker seit Jahrtausenden. Doch alle vermeintlichen Gottesbeweise sind gescheitert. Mit einer 200 Jahre alten mathematischen Formel könnten wir die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes bestimmen! Thomas Vasek hat es ganz subjektiv einmal durchgerechnet.

Das Ungewisse faszinierte den Mann. Immer wieder zog es ihn nächtens an die Spieltische der Pariser Salons. Da studierte er die Gesetze der Wahrscheinlichkeit, die mathematischen Regeln des Glücks. Vielleicht war es eine dieser Nächte, als ihm die Idee kam, auf den lieben Gott zu wetten.

Blaise Pascal (1623 – 1662) war ein Genie von hohen Gnaden. Schon in früher Jugend zählte er zu den führenden Mathematikern und Physikern seiner Zeit. Er war ein Mann der Wissenschaft – doch seine Leidenschaft gehörte dem Glauben. Pascals berühmte Wette: »Entweder Gott ist, oder er ist nicht. Worauf wollen Sie setzen?« Zwei Möglichkeiten, zwei Optionen – beide ungewiss. Die Vernunft hilft uns nicht weiter. Was also tun?

Entweder Gott existiert, oder er existiert eben nicht – eigentlich eine einfache Sache. Und doch gibt es kein größeres, kein tieferes Geheimnis. Seit Jahrtausenden mühen sich daran die größten Geister ab. Die Liste vermeintlicher Gottesbeweise ist lang. Doch gescheitert sind sie alle – von Aristoteles über den Scholastiker Anselm von Canterbury bis zum Logiker Kurt Gödel. Die Gottesfrage, so scheint es, entzieht sich dem Zugriff der menschlichen Vernunft. Kant verwies sie ins Reich der Metaphysik: Da Gott außerhalb von Raum und Zeit existiert, kann die Wissenschaft über ihn keine Aussagen treffen – also lässt sich seine Existenz auch nicht beweisen. Muss die Vernunft vor Gott kapitulieren? Können wir an IHN also nur glauben?

Einige Theologen und Philosophen sehen eine Alternative: Sie versuchen nichts weniger, als die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes zu berechnen! Dabei greifen sie, wie Buchautor Stephen D. Unwin, zurück auf die 200 Jahre alte Formel eines presbyterianischen englischen Pfarrers und Mathematikers namens Thomas Bayes. Doch ist das nicht ein abstruses, ja aberwitziges Unterfangen?

Nicht unbedingt.# Die Wahrscheinlichkeitstheorie zielt darauf ab, Ungewissheit mathematisch exakt auszudrücken. Das gängige Modell orientiert sich an der Häufigkeit, mit der ein Ereignis eintritt – das typische Beispiel ist der Münzwurf. In der Gottesfrage würde man damit nicht weit kommen. Dagegen verfolgt die Bayes’sche Methode einen weiter gefassten Ansatz: Dabei versucht man, die Plausibilität einer Hypothese auf Grund von Indizien zu bestimmen.

Angenommen, eine Bank wird überfallen. Die Polizei verdächtigt einen Mann, der zuvor bereits eine andere Bank ausgeraubt hat. Nun melden sich Zeugen, die den Verdächtigen zur Tatzeit in der Nähe der Bank gesehen haben. Wie wirkt sich dieses Indiz auf den ursprünglichen Verdacht aus? Natürlich ist es hochwahrscheinlich, dass der Mann in der Nähe des Tatorts gesehen wurde, wenn er die Tat auch tatsächlich begangen hat. Dass er rein zufällig dort war, obwohl er mit dem Überfall nichts zu tun hatte, scheint deutlich weniger plausibel. Die Hypothese »Der Mann hat die Bank überfallen« erklärt das Indiz (»Er wurde in der Nähe des Tatorts gesehen«) also besser – der Verdacht hat sich erhärtet, die Hypothese der Ermittler ist plausibler geworden.

Diese Methode können wir auch auf die Frage nach der Existenz Gottes anwenden. Unsere Hypothese lautet demnach: »Gott existiert.« Wir gehen dabei von einer theistischen Gottesvorstellung aus – also von einem allmächtigen, allwissenden, ewigen und vollkommen guten Gott, der die Welt nicht nur geschaffen hat, sondern auch aktiv in sie eingreift. Weiter legen wir fünf große Indizienbereiche fest, also Fakten, die möglicherweise für oder gegen die Existenz Gottes sprechen: die Entstehung des Universums, die Ordnung im Kosmos, die Evolution, das Gute und das Böse sowie die Evidenz religiöser Erfahrungen.

Zunächst bestimmen wir eine Anfangswahrscheinlichkeit – also den Grad unserer Überzeugung, dass Gott existiert –, bevor wir die zusätzlichen Indizien in Betracht ziehen. Das ist natürlich eine subjektive Bewertung. Vorsichtshalber könnten wir von einer 50:50-Chance ausgehen – in der Wahrscheinlichkeitstheorie bedeutet dies einfach nur völliges Nichtwissen.

Im nächsten Schritt ermitteln wir, wie sich die Indizien auf unseren »Anfangsverdacht« (also 50 Prozent) auswirken. Halten wir ein Faktum (etwa die Entstehung des Universums) für wahrscheinlicher, wenn Gott existiert – oder wenn Gott nicht existiert? Der Faktor, um den wir die erste Variante für wahrscheinlicher (oder weniger wahrscheinlich) halten als die zweite, ist unser »Gottes-Indikator« (GI). Auf absolute Zahlen kommt es dabei nicht an – entscheidend sind die Relationen. Ein GI von 10 beispielsweise bedeutet: Das Indiz liegt »viel wahrscheinlicher« vor, wenn Gott existiert, als wenn er nicht existiert. Ein GI von 2 bedeutet »etwas wahrscheinlicher«. Ein GI von 1 wäre »Gott-neutral«. Ein Wert von 0,5 hieße umgekehrt, dass das Indiz in einer gottlosen Welt »etwas wahrscheinlicher« ist, ein GI von 0,1 wiederum bedeutet, das Indiz liegt sogar »viel wahrscheinlicher« vor, wenn Gott nicht existiert. Die genaue Erläuterung sowie die Bayes-Formel finden Sie im Kasten links.

Vom Gottes-Indikator hängt es bei jedem neuen Indiz ab, ob unsere Gottes-Wahrscheinlichkeit steigt oder sinkt. Sind Sie bereit für die P.M.-Spurensuche nach der letzten Wahrheit, nach dem Urgrund aller Dinge?


Indiz 1: Die Entstehung des Kosmos

Die Fakten: Nach heutigem Wissensstand entstand unser Universum vor rund 14 Milliarden Jahren aus einem unvorstellbaren Feuerball. Die Explosion ereignete sich gleichsam aus dem Nichts heraus, aus einem unendlich dichten Punkt reiner Energie – Physiker sprechen von einer »Singularität«. Erst mit dem Urknall entstanden Raum, Zeit und Materie. Was in den allerersten Momenten passierte, wissen die Forscher bis heute nicht. Die Ereignisse danach aber lassen sich ziemlich genau erklären: die Bildung von Teilchen und Anti-Teilchen, die Entstehung der ersten Atomkerne, die Bildung von Sternen und schließlich ganzen Galaxien. Die Urknalltheorie gilt heute als empirisch weitgehend bestätigt.

Wir versuchen nun, diese Fakten in Hinblick auf die Gott-Hypothese zu bewerten. Angenommen, Gott existiert – ein vollkommmenes, ewiges, und allmächtiges Wesen. Wie wahrscheinlich hätte ein solcher Gott das Universum geschaffen? Wenn Gott allmächtig ist, dann liegt es nahe, dass er auch etwas Großes, Bewundernswertes wie den Kosmos hervorgebracht hat. Als ewiges Wesen könnte er das Universum auch aus dem Nichts geschaffen haben, im Einklang mit der Urknalltheorie. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gott das Universum geschaffen hätte, ist also recht hoch.

Nun prüfen wir die umgekehrte Variante. Wie wahrscheinlich wäre das Universum entstanden, wenn wir annehmen, dass Gott nicht existiert? Mehrere Alternativen sind denkbar.

Erstens, unser Universum ist tatsächlich das einzige Universum und nicht bloß eines von vielen – und es hatte einen Anfang. Dann fragt sich natürlich: Was war vor dem Anfang? Die mögliche Entstehung des Kosmos »ex nihilo«, also aus dem Nichts, bereitet auch vielen Forschern Kopfschmerzen. Nach der Inflationstheorie könnte der Kosmos aus Energiefluktuationen im Quantenvakuum entstanden sein. Dieses Quantenvakuum ist allerdings nicht einfach »Nichts«, sondern eine physikalische Tatsache, die wiederum einer Erklärung bedarf.

Zweitens, das Universum hat vielleicht doch keinen Anfang. Raum und Zeit könnten beispielsweise einen vierdimensionalen Raum bilden, der keine »Ränder« hat. Dann braucht es zwar keinen Schöpfer im eigentlichen Sinn – aber auch in diesem Fall müsste jemand/etwas die physikalischen Bedingungen in einem solchen Universum festlegen. Aber wer oder was?

Drittens könnte unser Universum auch bloß eines von vielen sein, die unmittelbar aus dem Quantenvakuum hervorgeblubbert sind. Eine schöne Theorie – doch ohne den leisesten Beweis. Kritiker rücken die Modelle der Quantenkosmologen selbst in die Nähe religiöser Schöpfungsmythen.

Wir könnten also die Variante, dass Gott das Universum geschaffen hätte, für etwas plausibler halten als die Variante, wonach es auch ohne Gott entstanden wäre. Damit hat unser »Gottes-Indikator« den Wert 2 – gemäß der Bayes’schen Formel steigt damit die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes auf 67 Prozent.


Indiz 2: Die Ordnung des Kosmos

Die Fakten: Seit der Entstehung des Kosmos gelten unveränderlich die universellen, fundamentalen Naturkonstanten, darunter die Lichtgeschwindigkeit, die Gravitationskonstante und andere mehr. Wenn unser Universum nur minimal andere physikalische Eigenschaften hätte, so wäre kein Leben möglich, ja der Kosmos würde womöglich gar nicht mehr existieren. Würde der Wert der Gravitationskonstante nur um wenige Billionstel abweichen, wäre das Universum längst kollabiert – oder die Expansion wäre so stark gewesen, dass sich niemals Sterne und Galaxien hätten bilden können. Und hätte die so genannte Feinstrukturkonstante, die in der Chemie von großer Bedeutung ist, einen nur geringfügig anderen Wert, wäre es nie zur Verbindung von Kohlenstoffmolekülen gekommen – den grundlegenden Bausteinen jeder Lebensform. Bis heute können die Physiker den Wert von 15 Naturkonstanten nicht erklären.

Wieder gehen wir nach unserem Bayes’schen Muster vor. Nehmen wir zunächst an, dass Gott existiert. Hätte er ein derart fein abgestimmtes Universum hervorgebracht? Wenn Gott vollkommen und allmächtig ist, so könnten wir argumentieren, hätte er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Chaos geschaffen, sondern eine wohlgeordnete, lebensfreundliche, bewundernswerte Welt.

Wie wahrscheinlich ist dagegen die Feinabstimmung des Universums in einer gottlosen Welt? An diesem Punkt müssen wir besonders sorgfältig argumentieren. Denn nach dem so genannten »anthropischen Prinzip«(griech. anthropos = der Mensch) ist die Feinabstimmung des Kosmos nicht weiter überraschend: Das Universum musste eben genau diese physikalischen Bedingungen hervorbringen, also auf das Leben zulaufen – sonst wären wir schließlich nicht hier. Nach dieser Betrachtungsweise brauchen wir nach Wahrscheinlichkeit bzw. Unwahrscheinlichkeit unseres fein abgestimmten Universums nicht weiter zu fragen.

Das anthropische Prinzip ist allerdings umstritten. Wenn wir von der Möglichkeit eines Schöpfergottes absehen, können wir ihm zwei Szenarien entgegenhalten. Zum einen könnte unser Universum nur eines unter unendlich vielen, für uns nicht beobachtbaren Universen sein, die möglicherweise andere physikalische Eigenschaften haben. Einige dieser Universen haben eben die Entstehung von Leben ermöglicht – als Ergebnis eines evolutionären Prozesses von Versuch und Irrtum. Im Multiversum könnte es durchaus eine größere Anzahl lebensfreundlicher Universen geben, und wie es eben so ist, leben wir in einem davon. Unter diesen Umständen wäre die Feinabstimmung des Kosmos tatsächlich nicht mehr sonderlich mysteriös. Allerdings sind die einschlägigen Theorien höchst spekulativ.

Vielen Forschern erscheint die Annahme unendlich vieler Universen auch unnötig kompliziert und daher unplausibel. Die Alternative zum Multiversum ist schlicht: Es gibt eben nur ein Universum – nämlich unseres. Wir hatten einfach nur extremes Glück! Einiges spricht also dafür, dass wir tatsächlich in einem äußerst unwahrscheinlichen Universum leben. Keine kosmologische Theorie kann diesen Umstand wirklich befriedigend erklären.

Wir können also die Variante, dass Gott die kosmische Ordnung geschaffen hätte, für wahrscheinlicher halten als deren Entstehung ohne Schöpfer. Als »Gottes-Indikator« geben wir die 2 in die Bayes’sche Formel ein. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes weiter an – wir liegen bereits bei 80 Prozent.


Indiz 3: Die Evolution des Lebens

Die Fakten: Die meisten Biologen sehen die Darwin’sche Evolutionstheorie – also die Entwicklung des Lebens nach dem Mechanismus von Variation und Selektion – heute als bestätigt an. Anhand von Fossilfunden lässt sich die Entwicklung von Lebewesen aus ihren Vorläufern dokumentieren. Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen biologischen Gruppen belegen die gemeinsame Abstammung. Mit modernen molekularbiologischen Methoden lässt sich heute sogar die Stammesgeschichte einzelner Gene nachvollziehen.

Nehmen wir wieder an, dass Gott existiert. Wie wahrscheinlich hätte er überhaupt die Entwicklung des Lebens angestoßen? Das können wir für durchaus wahrscheinlich halten. Wenn Gott vollkommen gut ist, dann ist es plausibel, dass er auch so etwas Wunderbares wie das Leben hervorbringt. Allerdings fragt sich, ob er sich die Mühe gemacht hätte, alle Lebensformen auf einmal zu schaffen. Es hätte für ihn ja genügt, lediglich das evolutionäre Prinzip zu installieren und in Gang zu setzen – eine Art universelle Software allen Lebens. Die Evolutionstheorie ist mit der Existenz Gottes daher durchaus vereinbar.

Wie wahrscheinlich ist es umgekehrt, dass die Evolution in einem gottlosen Universum in Gang gekommen wäre? Zu Recht lehnen die meisten Forscher die pseudowissenschaftlichen Methoden des »Intelligent Design« ab – also den Versuch, in der Komplexität des Lebens das Wirken eines Schöpfers nachzuweisen. Tatsächlich braucht die Natur keinen solchen »intelligenten Gestalter«: Sogar eine hochkomplexe Struktur wie das menschliche Auge lässt sich aus evolutionären Mechanismen erklären. Deren wundersame Effektivität können die Forscher heute sogar auf dem Computer simulieren. Alles in allem scheint die Möglichkeit, dass die Evolution des Lebens auch ohne Gott stattgefunden haben könnte, also ziemlich plausibel. Wir können sie für gleich wahrscheinlich halten wie die Annahme, dass Gott von sich aus Leben erschaffen habe. Unser Gottes-Indikator beträgt in diesem Punkt also genau 1 – mit anderen Worten, das Ergebnis beeinflusst die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes nicht. Wir gehen weiterhin von einer 80-Prozent-Chance aus.


Indiz 4: Das Gute und das Böse

Die Fakten: Eines der herausragenden Merkmale des Menschen ist seine Fähigkeit zu moralischem Denken – also zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Diese Fähigkeit ist eine wesentliche Basis des menschlichen Zusammenlebens.

Wieder folgen wir dem gleichen Muster. Angenommen, Gott existiert: Wie plausibel ist es dann, dass wir das moralisch Gute erkennen und wählen können? Offenbar sehr plausibel. Nach unserer Definition ist Gott selbst ja das vollkommen Gute. Es liegt daher nahe, dass er auch eine Welt geschaffen hat, in der das moralisch Gute zumindest vorkommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gott die Menschen mit der Fähigkeit ausstatten würde, das moralisch Gute zu erkennen und zu wählen, können wir für hoch halten.

Mit welcher Wahrscheinlichkeit wäre dagegen das moralisch Gute auch in einer gottlosen Welt entstanden? Für die Entstehung von moralischem Verhalten gibt es eine Reihe von soziokulturellen und neurobiologischen Anhaltspunkten. So wollen Forscher beispielsweise die Entstehung von Altruismus mithilfe der Spieltheorie erklären. Und Hirnforscher sind den neuronalen Mechanismen auf der Spur, die unserer Fähigkeit zu Empathie und moralischem Denken zugrunde liegen.

Wir können davon ausgehen, dass das moralisch Gute in einer von Gott geschaffenen Welt letztlich immer noch ein wenig plausibler ist als in einer Welt ohne Gott. Wir wählen daher als Gottes-Indikator die 2. Unsere Gotteswahrscheinlichkeit wächst damit weiter auf 89 Prozent.

Mehr Probleme bereitet uns das Böse. Wenn der allgütige Gott existiert – warum sollte er dann Böses auch nur zulassen? Das ist das ungelöste Problem vieler gläubiger Menschen. Wir könnten argumentieren, dass Gott die Menschen aus guten Gründen mit dem freien Willen ausgestattet hat – denn nur mit freiem Willen ist es möglich, das Gute zu wählen. Und nur wenn Böses existiert, ist das Gute überhaupt erkenn- und wählbar.

In Anbetracht von Kriegen, Massenmorden und grausamen Verbrechen könnten wir an diesen Erklärungen jedoch zweifeln – und es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass in einer von Gott geschaffenen Welt so viel Böses existiert.

Wenn Gott aber nicht existiert – wie wahrscheinlich ist dann die Existenz des Bösen? Das wiederum scheint sehr plausibel. Schließlich müssten die Menschen dann eigene Maßstäbe für moralisches Verhalten entwickeln. Wenn niemand eine Bestrafung durch eine höhere Instanz befürchten müsste – wäre das moralisch Böse dann nicht geradezu unvermeidlich?

Diese Wahrscheinlichkeit könnten wir als sehr hoch einschätzen.

Zusammengefasst kommen wir zum Ergebnis: Die Existenz des moralisch Guten wirkt sich auf die Gotteswahrscheinlichkeit moderat positiv aus – wir können das Gute mit Gott ein wenig besser erklären als ohne Gott. Das moralisch Böse versetzt unserer Gottes-Hypothese aber einen schweren Schlag. In diesem Punkt setzen wir den Gottes-Indikator bei 0,1 an. Damit schrumpft die Wahrscheinlichkeit Gottes dramatisch – auf 45 Prozent.


Indiz 5: Religiöse Erfahrungen

Die Fakten: Die monotheistischen Weltreligionen sind über 2500 Jahre alt. Zu allen Zeiten berichteten Gläubige von tiefen religiösen und mystischen Erfahrungen.

Wenn die Gottes-Hypothese stimmt: Wie wahrscheinlich ist es dann, dass so viele Menschen an ihn glauben und religiöse Erfahrungen machen? Das ist wohl höchst wahrscheinlich. Gott würde dafür sorgen, dass es Menschen gibt, die an seine Existenz glauben. Er würde zumindest Hinweise geben und den Gläubigen das Gefühl vermitteln, dass er ihre Gebete auch erhört.

Wie hoch ist umgekehrt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen auch in einer gottlosen Welt religiöse Erfahrungen machen? Marx hielt Religion für das »Opium des Volkes«. Freud erklärte den Gottesglauben gar zur Illusion – zum bloßen Ersatz für die väterliche Autorität. Manche Neurowissenschaftler glauben heute, Hirnregionen lokalisieren zu können, die mit religiösen Erfahrungen zu tun haben. Andere wollen gar ein »Gottes-Gen« gefunden haben.

Unterm Strich können wir es also für wahrscheinlich halten, dass religiöse Erfahrungen auch in einer gottlosen Welt entstehen – etwa weil sie den Menschen Trost in schwierigen Lebenssituationen geben. Wir werden diese Wahrscheinlichkeit aber geringfügig niedriger einschätzen als die Alternative – schließlich sollten wir den Zeugnissen von Abermillionen Gläubigen nicht von vornherein misstrauen! Unser »Gottes-Indikator« in diesem Punkt ist daher 2. Damit steht unser Ergebnis fest: Die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes beträgt rund 62 Prozent.

Was hat dieses Ergebnis zu bedeuten? Immerhin so viel: Die Ungewissheit in der Frage der Existenz Gottes ist etwas geringer geworden. Es könnte uns aber auch klarer geworden sein, wo die Grenzen der menschlichen Vernunft und der Wissenschaft liegen.

Vielleicht werden die Physiker eines Tages doch die große Theorie finden, die alle Naturkräfte vereint und das wundersame Feintuning des Universums erklärt. Aber auch diese Theorie wird letztlich aus mathematischen Gleichungen bestehen. Ein fundamentales Rätsel wird bleiben: »Wer bläst den Gleichungen den Odem ein und erschafft ihnen ein Universum, das sie beschreiben können?«, fragt Stephen Hawking in seinem aktuellen Buch »Die kürzeste Geschichte der Zeit«. Der gelähmte, seit vielen Jahren todkranke Physiker hat seine Suche nach der großen vereinheitlichten Theorie inzwischen aufgegeben. In seiner Begründung bezog er sich auf den österreichischen Logiker Kurt Gödel. Seit Gödels berühmtem Unvollständigkeitstheorem wissen wir, dass es in der Mathematik wahre Sätze gibt, die sich nicht beweisen lassen. Die Physik könnte laut Hawking ebenfalls an die Grenzen der Erkenntnis gelangen. Doch mit der Ungewissheit, die Wissenschaftler so sehr verstört, leben Gläubige wie Ungläubige seit Jahrtausenden.

Wäre alles im Leben gewiss, würden wir Gott nicht brauchen. So ist es aber nicht: Es herrscht Ungewissheit. Und genau diese Ungewissheit macht Gott erst möglich. Erinnern wir uns an Pascals berühmte Wette – seine Wette auf die Existenz Gottes.

Der Spieler Blaise Pascal fand eine verblüffende Lösung. Wer auf Gott setzt, ein gläubiges Leben führt, hat Aussicht auf unendlichen Gewinn – das ewige Leben, das Himmelreich. Wenn Gott existiert, dann haben die Gläubigen eben gut gespielt. Existiert er nicht, so haben sie nichts verloren. Also ist es klug, auf Gott zu setzen – und sei die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz auch noch so gering!

Manche sehen in Pascals Wette einen subtilen mathematischen Gottesbeweis . Doch vielleicht lautet die Botschaft schlicht: Letztlich müssen wir uns entscheiden, wie am Spieltisch und auch sonst im Leben – mit Sorgfalt, keinesfalls ohne Vernunft. In Pascals Worten:»Il faut parier« – »Man muss wetten, darin ist man nicht frei.« Es ist wahr: Die Vernunft kann uns über Gott nichts Sicheres sagen. Aber es ist immer vernünftig, mit Gott zu rechnen.

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